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Das fühlende Wesen

Kurt Steindl 0

Bereits lange bevor der Mensch zu denken beginnt, verfügt er bereits über die Fähigkeit zu fühlen. Südafrikanische Forscher haben festgestellt, dass Embryos bereits mit acht Wochen auf Berührungen reagieren. Zwillinge berühren einander bereits im Mutterleib mit den Händen und ertasten ihr Gegenüber. Etwa ab der 20. Schwangerschaftswoche reagieren Embryos auf akustische Reize und zucken zusammen, wenn ein lauter Knall zu hören ist und scheinen aufmerksam zuzuhören, wenn leise Geräusche zu vernehmen sind.


Hat die Mutter Angst, dann spürt das Ungeborene das, und verhält sich vollkommen ruhig. Freut sich die Mutter, dann beginnt das kleine Wesen richtig zu toben. Der Neurowissenschafter Gerald Hüther von der Universität Göttingen schreibt: „Das Ungeborene macht vom ersten Tag Erfahrungen, die es für später in seinem Gehirn abspeichert.“ Da es weder lesen noch schreiben kann, ja zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht denken kann, ist der Embryo auf Gefühle angewiesen.
Wir beginnen auch nicht sofort nach der Geburt zu denken (Ja, ich weiß, manche scheinen überhaupt nie damit begonnen zu haben ;-). Aber Scherz beiseite: Um rational denken zu können, müssen wir uns erinnern. Wir müssen auf bewusste Erfahrungen zugreifen können. Die Gehirnregion, in der unser Gedächtnis sitzt, entwickelt sich aber erst im Alter von etwa zweieinhalb Jahren. Man kann den Zeitpunkt, ab dem das Kind zu denken beginnt, übrigens ganz genau bestimmen. Ab dem Moment, wenn es „Ich“ verwendet, beginnt der rationale Denkprozess.Der Mensch ist zuallererst ein Fühlender und wird erst mit starker Verzögerung zu einem denkenden Wesen. Deshalb sind die Gefühle auch viel stärker in uns verankert als das logische Denken. Die wirklich wichtigen Entscheidungen in unserem Leben treffen wir nicht mit dem Verstand, sondern aus dem Gefühl heraus. Nehmen Sie die Partnerwahl als Beispiel. (Ja, ich weiß, da scheint es auch Ausnahmen zu geben. Aber doch nicht bei Ihnen!)

Deshalb sollten wir unsere Fähigkeit zu fühlen permanent forcieren. Daraus ein regelrechtes Gespür entwickeln. Wir sollten noch mehr auf unsere innere Stimme hören, auf unser Bauchgefühl. Dort sind sämtliche Erfahrungen unseres gesamten Lebens in Form von Gefühlen abgespeichert. Sie haben das bestimmt auch schon erlebt, dass Sie bei einer Entscheidung deutlich spüren, was richtig ist. Auch wenn der logische Verstand Bedenken hat. „Es fühlt sich gut an“, ist keine esoterische Floskel, sondern gelebter Realismus. Natürlich können wir auch dabei irren, aber deutlich seltener, als wenn wir nur auf den Verstand hören. Im Idealfall sind Verstand und Gefühl einer Meinung. Dann fallen auch schwere Entscheidungen leicht.

About Kurt Steindl

Kurt Steindl ist professioneller Vortragsredner und Hoteltester. Seine Sicht der Dinge stellt er in diesem Blog vor.

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