Skip to Content

 

Im Musiktheater …

Kurt Steindl 0

Magic Moments entstehen durch ein aufrichtiges Interesse am Wohlergehen des Gastes.

Bei uns in Linz hat ja vor einigen Monaten das neue Musiktheater eröffnet und die Szene überschlägt sich fast vor Begeisterung. Erstklassige Akustik, moderne Gestaltung, eine Bühne, die alle Anforderungen an ein großes Haus erfüllt … Inkludiert ist natürlich auch ein Restaurant, das ebenfalls große Erwartungen schürt. Deshalb haben wir es gestern Abend gemeinsam mit unseren Kindern besucht. Eines gleich vorweg: Es war der allererste Restaurantbesuch seit sehr langer Zeit, bei dem wir bewusst kein Trinkgeld gegeben haben. Aber der Reihe nach.

Die Beschilderung in der Tiefgarage führt uns in das zweite Untergeschoss. Auto abgestellt und durch die Garagentüre ins Stiegenhaus. Erste Überraschung: zwei Stockwerke zu Fuß über die Treppe, bis wir an den Lift kamen. Grundsätzlich ja kein Problem, denn Treppensteigen ist gesund. Dann mit dem Lift in das 4. Stockwerk und bei der Dame am Stehpult Name für die Reservierung genannt.

Wir werden zum Tisch geführt und die Dame verlässt uns wieder. Kurzer Rundumblick – Ambiente gediegen, modern und sehr ansprechend. Mit der Garderobe ist man uns nicht behilflich, also mache ich mich auf die Suche nach der Möglichkeit, Mantel und Jacke aufzuhängen. Zurück am Tisch erwartet mich bereits ein Servicemitarbeiter und übergibt die Karte. Ein herzliches “Guten Abend” oder ähnliches vernehme ich nicht.

Bei der Bestellung versuche ins Gespräch zu kommen: “Vielleicht vielleicht ein gutes Glas Rotwein? “Merlot” lautet die kurze und überaus knappe Antwort. “Vielleicht eher eine gute Cuvee?”, gebe ich zurück. “Ja.” Probeschluck und ich akzeptiere. Zu einer Erklärung über die Rebsorten und vielleicht noch weitere Hinweise über den Wein, bleibt offensichtlich keine Zeit. Obwohl das Lokal um 18 Uhr noch fast leer ist.

Das Beef Tartare als Vorspeise gereicht der Küche nicht zur Ehre. Unser Großer will ein Stück probieren und schiebt nach dem ersten Bissen das rohe Fleisch wieder runter vom Toast. Sonst ist er ein absoluter Fan von Beef Tartare. Dieses hier esse ich zwar pflichtbewusst auf, bin aber auch nicht begeistert.

Die Schnitzel haben schließlich eine Größe, die an ein XXL-Lokal erinnert. Nur zur Klarstellung: unsere Bambinis sind 9 und 12 Jahre alt. Also nix pubertierende Jünglinge, die halbe Säue verdrücken können. Die Küche kann nichts dafür. Hier hätte der Kellner doch reagieren sollen, indem er vielleicht schon bei der Bestellung darauf hinweist, dass die Schnitzel von hungrigen Erwachsenen kaum zu stemmen sind. Das Angebot ein Schnitzel auf zwei Teller zu servieren, wäre absolut angemessen gewesen. So kämpfen unsere wackeren Jungs und verlieren natürlich gegen den übermächtigen Gegner auf dem Teller.

Die Käsespätzle schmecken leider gänzlich uninspirierend und langweilig. Der kleine Salat, der vom Service auch noch an die falsche Seite des Gedecks gestellt wird, kann die Enttäuschung auch nicht auffangen. Meine Rehmedaillons mit Selleriekruste halten das geschmackliche Niveau der Spätzle und missmutig spüle ich mit dem Roten nach. Von Selleriekruste sowieso keine Spur, sondern ein Pürree von Sellerie obenauf und insgesamt war die pinke Sauce optisch eher abschreckend. Konsequent habe ich aufgegessen und war enttäuscht. Für 28,70 Euro dürfte es schon wirklich gut sein. Auf ein Dessert haben wir aufgrund dieser Erfahrungen wohlweislich verzichtet.

Die Küchenenttäuschung wurde durch ein emotionsloses und distanziertes Service ergänzt. Keinerlei Beziehungsaufnahme, kein überflüssiges Wort – wobei freundliche Worte ja nie überflüssig sind – kein Interesse am Gast …

Wir haben beim Bezahlen der stattlichen Rechnung noch kurz überlegt, wie viel Trinkgeld wir geben sollen. 10 Prozent wären üblich. Das erschien uns für diese Leistung deutlich zu viel. Also die Hälfte? Noch immer würde dies nicht der gebotenen Leistung entsprechen. Wir haben uns schließlich entschlossen, keine falschen Hoffnungen zu wecken. Wir sehen keinen Grund hier nochmals zu speisen, also haben wir das mit dem Trinkgeld sein lassen.

About Kurt Steindl

Kurt Steindl ist professioneller Vortragsredner und Hoteltester. Seine Sicht der Dinge stellt er in diesem Blog vor.

Hinterlassen Sie ein Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein um zu kommentieren.