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Uli Hoeneß

Kurt Steindl 0

Uli Hoeneß wurde zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen Steuerhinterziehung von annähernd 30 Millionen Euro. Spekulationen an der Börse haben ihn gierig gemacht und er wurde zum Zocker, so sein Eingeständnis.

Das alleine wäre schon verwerflich, schließlich ist Börse nicht wirklich WERTvoll, sondern vielmehr das Gegenteil. Hier wird der Wert des Geldes über Ethik und Moral gestellt. Der Fehler (oder eben die Dummheit) des Anderen ist mein Vorteil, das ist die Grundthese von Börse. Es gilt also, schlauer zu sein, als andere. Besser vorauszusagen, wie sich die Kurse entwickeln. Ziel von Börse ist es, lediglich Geld zu machen. Wie, fragt meist keiner. Dass dies zu Kursmanipulationen (siehe Telekom Austria) und Wetten auf fallende Kurse führt, hat uns die nähere Vergangenheit deutlich vor Augen geführt. Dass allerdings die Medien so umfangreich von der Börse berichten, zeigt, dass sich unsere Gesellschaft offenbar zuwenig Gedanken macht, wohin das führt. Der Wert des Geldes hat nichts mit den WERTen zu tun, nach denen wir gerne leben würden.

„Wo war meine Leistung?“, lautete ein berühmter Spruch eines ehemaligen österreichischen Politikers, der seinen Freund (damals übrigens Finanzminister von Österreich) anrief und eine Erklärung für die ihm überwiesenen Gelder suchte. Was ist die tatsächliche Leistung von Finanzhaien, die an der Börse spekulieren? Welchen Nutzen bringen sie in die Welt? Was produzieren Sie? Welchen WERT verfolgen Sie? Leider viel zu oft nur die Profitmaximierung – in die eigene Geldtasche. Dass dies für ein gedeihliches Miteinander nicht geeignet ist, versteht sich von selbst.

Uli Hoeneß hat also spekuliert und gewettet – und dabei vorsorglich gleich ein Konto eröffnet, mit dem er seine Gewinne nicht versteuert. Das ist in der heutigen Zeit kaum erwähnenswert, weil es offenbar gelebter Alltag ist. Allzuoft sind die Zeitungen voll von derartigen Vorfällen. Erwähnenswert ist aber die Tatsache, dass Herr Hoeneß die Strafe annahm und auf Revision verzichtete. Das entspräche – so sein Wortlaut – seinem Verständnis von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung.

Wow. Damit hat wohl keiner gerechnet. Dass eine Person des öffentlichen Lebens tatsächlich zu ihren Verfehlungen steht, ist ja nicht zu erwarten. Wenn, dann meist nur, weil alles Leugnen sinnlos ist und die Beweislage erdrückend. Da werden vielmehr fadenscheinige Ausreden bemüht und Medien und Öffentlichkeit für dumm verkauft. „Ich dachte es sei ein Geheimdienst hinter mir her und dem wollte ich auf den Grund gehen“, war zum Beispiel die präpotente Verteidigung eines EU-Politikers, der schließlich wegen Bestechlichkeit ebenfalls zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Die Videos sprachen eben eine deutliche Sprache.

Uli Hoeneß bekennt sich also zu seiner Schuld und nimmt die Strafe an. Respekt! Ohne ihn damit aus der Schuld nehmen zu wollen, hat er sich damit Hochachtung verdient. Schließlich wäre ja genug Geld vorhanden, um mit seinen Anwälten alle Instanzen durchzugehen, um zumindest einen langen Aufschub des Arrestes zu erreichen. Da zeigt dieser Mann tatsächlich Haltung und Größe. Das hätte ich dem Bayernmanager nicht zugetraut und bin ehrlich beeindruckt. Herr Hoeneß, Ihre Entscheidung ist WERTvoll. Da sollten sich viele Manager und Politiker eine Scheibe davon abschneiden.

About Kurt Steindl

Kurt Steindl ist professioneller Vortragsredner und Hoteltester. Seine Sicht der Dinge stellt er in diesem Blog vor.

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