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Newsletter 153

Service-Kick 153

Serviceexperte

vom 20. Dezember 2017

1. Essay: Menschlichkeit in der Dienstleistung
2. Wissen: menschlicher Umgang mit Unzufriedenheit
3. Schriftverkehr: Emotionen, Emotionen, Emotionen
4. Story: Als Frau Karriere machen, Teil 9


Guten Tag liebe Leserin, lieber Leser, 

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Adventzeit, Weihnachten. Welche Zeit eignet sich besser, als über Menschlichkeit in unserer Branche zu schreiben. Dieser Branchenblick weist auf die Bedeutung von Menschlichkeit in der Dienstleistung hin. Keine Angst es wird nicht tränenreich und schmalzig. Das passt auch nicht zu mir.

Im Jänner 2018 findet in Wien der jährliche ÖHV-Kongress statt. Die österreichische Hoteliervereinigung lädt zum Erfahrungsaustausch und präsentiert hochkarätige Vortragende aus Politik, Wirtschaft und der Branche. Ein Pflichttermin für Hoteliers. Das Motto des nächsten Kongresses lautet „DIENSTLEISTUNG MADE BY HUMANS?“ Der Titel der Veranstaltung lässt erahnen, dass der Faktor Mensch im Mittelpunkt stehen wird. Gerade in Zeiten der raschen Technisierung ein Hinweis auf die Wichtigkeit menschlicher Dienstleistung.

Service bedeutet „Dienstleistung“. Da ist das Wort „dienen“ enthalten. Dienen bedeutet aber nicht, sich willfährig alles gefallen zu lassen und untertänig zu agieren. „Der Gast ist König!“, lautet die weitverbreitete Devise. Bei allem Respekt: das ist Schwachsinn. Der Gast ist nicht König! Nein, und nochmal nein.

Wenn der Gast König wäre, was wären dann die Mitarbeiter in der Hotellerie? Diener? Untertanen? Leibeigene? Sie merken schon, worauf ich hinaus will. Der Gast ist in erster Linie Mensch und die Mitarbeiter in unserer Branche auch. Als Mensch kommt der Gast mit seinen Erwartungen, Wünschen, Hoffnungen aber auch mit seinen Befürchtungen und Ängsten zu uns. Der moderne Gast sucht aufrichtige Zuwendung und ehrliche Gastfreundschaft.

Ja, ich weiß, es gibt auch die Gäste, die meinen, aus ihrem Allerwertesten scheint die Sonne. Die ein Hotel nicht betreten, sondern erscheinen und glauben, der ganze Laden müsste jetzt still stehen, weil sie jetzt da sind. Die sich tatsächlich aufführen, als müssten sie wie Könige behandelt werden. Ja, natürlich gibt es die. Es sind in der Regel nicht die glücklichsten Menschen. Im Gegenteil. Wenn die persönliche Inszenierung im Vordergrund steht, ist die mentale Reife eher fraglich. Da wären wohl eher Therapeuten und Psychiater gefragt. Und doch knicken wir vor diesen mentalen Schwächen ein und geben diesen Gästen die Bühne. Und das ist gut so. Ein Widerspruch? Mitnichten.

Mit dem Gast zu streiten wäre falsch. Ihn umerziehen zu wollen, ebenso. Ihn auf seine mangelnde Reife oder gar auf eine psychische Störung hin zuweisen, eine Anmaßung. (Übrigens, eine deutsche Studie hat den Verdacht geäußert, dass etwa 25% aller Bundesbürger eine psychische Störung aufweisen. In Österreich und der Schweiz ist es ähnlich. Das Gute daran: die meisten Betroffenen wissen es nicht.) Vielmehr sollten wir uns bewusst machen, dass dieses Verhalten unbewusst ist. „Denn Sie wissen nicht was sie tun.“, lautet ein Bibelzitat. Und jetzt wird klar, wie wichtig Menschlichkeit im Service wird.

Ein guter Dienstleister wird die eventuellen Schwächen des Gastes erkennen und entsprechend reagieren. Er wird darauf Rücksicht nehmen und im Bedarfsfall die Bühne bereiten. Nicht unterwürfig, sondern verständnisvoll. Nicht willfährig, sondern mit Haltung. Er wird im Bewusstsein handeln, dass Menschen für ihr Verhalten, gute – in den allermeisten Fällen sogar triftige – Gründe haben. Nur selten sind wir uns aber dieser Gründe bewusst. Der ehrwürdige Fritz Riemann brachte es auf den Punkt: „Menschliches Verhalten wird von Ängsten determiniert!“ („determiniert“ bedeutet in diesem Zusammenhang „vorausbestimmt“).

Müssen wir als Dienstleister uns dann alles gefallen lassen? Herumkommandieren, schikanieren, beleidigen lassen? Nein. Exzellente Dienstleister werden durch ihr Auftreten und ihre soziale Kompetenz den Gast in seinem Verhalten steuern. Ihn zur Räson bringen und eventuelle Aussetzer in den Umgangsformen richtig einschätzen und nicht persönlich nehmen. Sie werden Verständnis zeigen und nicht nachtragend sein. Mitunter werden sie vielleicht das vertraute Gespräch suchen und im Bedarfsfall auf mangelnde Wertschätzung höflich hinweisen. Dazu eine wahre Geschichte:

Der Gast beobachtete die Rezeptionistin schon geraume Zeit und fragte schließlich, wie lange sie schon in diesem Hotel arbeiten würde und ob sie für diesen Beruf auch eine adäquate Ausbildung absolviert habe. „Seit sechs Monaten“ und „eine dreijährige Lehre als Hotel- und Gastgewerbeassistentin“, lauteten die Antworten. Daraufhin zeigt sich der Gast verwundert und wies darauf hin, dass er sie für vollkommen inkompetent halten würde. Während die Mitarbeiterin ob dieser ungeheuerlichen Aussage noch verwundert erstarrte, beugte sich der Gast nach vor und sagte mit leiser aber bösartiger Stimme: „Ich gebe Ihnen einen guten Tipp: Gehen Sie am Friedhof Blumen gießen, das scheint Ihrem Intellekt angemessen zu sein!“ Drehte sich um und ging.

Die Rezeptionistin traute ihren Ohren nicht und stand offenbar sogar etwas unter Schock. Schließlich kamen die Tränen und sie zog sich ins Backoffice zurück. Dort traf sie der Hotelbesitzer an, sah das viele Augenwasser und fragte nach, was denn passiert sei. Und jetzt können Sie lesen, wie ein guter Chef reagiert.

Er suchte diesen Gast und stellte ihn höflich aber bestimmt zur Rede. Sinngemäß: „Wir bemühen uns sehr Ihnen einen angenehmen und schönen Aufenthalt in unserem Hotel zu bereiten. Darf ich Sie bitten, meine Mitarbeiter mit Respekt und Wertschätzung zu behandeln. Sollte Ihnen das nicht gelingen, suche ich Ihnen gerne ein anderes Hotel.“ Der Gast sah sein Fehlverhalten ein und versprach Besserung. (Nein, er musste sich nicht bei der Mitarbeiterin entschuldigen, das wäre Gängelung.)

Nicht jeder ist für die Hotellerie geeignet. Es braucht schon einen eigenen Menschenschlag, der diese Branche bewältigt. Der seine Würde als unantastbar ansieht und über eine große mentale Reife verfügt. Der Lohn dafür sind viele Glücksmomente, unzählige erlebte Geschichten und eine überdurchschnittlich rasche Reifung als Mensch. Dafür machen wir das. In Würde, Respekt und zum Wohle aller.

Kurt Steindl


1. Essay: Menschlichkeit in der Dienstleistung

Über die Unsinnigkeit von auswendig gelernten Telefonbegrüßungen und standardisierten Floskeln habe ich schon öfter geschrieben. Heute möchte ich das Thema Menschlichkeit in den Mittelpunkt meiner Ausführungen stellen. Vermutlich haben Sie ja die Einleitung zuvor gelesen.

Gute Dienstleistung berührt. Nicht im wortwörtlichen Sinn, sondern emotional. Wer es versteht, beim Gast positive Gefühle auszulösen, hat den Kern von guter Dienstleistung verstanden. Menschen sehnen sich nach wohltuenden Erlebnissen, nach Wärme und Nähe. Wir haben Freude daran, wenn wir spüren, dass die erbrachte Dienstleistung nicht bloß abgearbeitet wird, sondern Wahrhaftigkeit spürbar ist. Wenn jemand erfüllt ist von seiner Arbeit. Wenn es „menschelt“.

Gerade daran scheitern manche Unternehmen – an der spürbaren Menschlichkeit. Allzuoft werden Technik und fachliche Kompetenz in den Mittelpunkt gestellt. Natürlich sind die wichtig. Aber ohne Herzlichkeit und Menschlichkeit wird aus Kompetenz rasch Arroganz. Wenn wir uns zu sehr auf die Dinge und Abläufe konzentrieren und den Menschen nicht in den Mittelpunkt unseres Tuns stellen, dann arbeiten wir am zentralen Element unseres Berufes – der Menschlichkeit – vorbei.

Ich habe immer öfter auch mit anderen Branchen zu tun. Im Gesundheitswesen, im Finanzwesen und mit technischen Unternehmen. Der Grund ist einfach. Immer mehr Branchen wissen, wie wichtig die menschliche Zuwendung für den Erfolg ist. Was liegt also näher, als die Hotellerie als Benchmark zu nehmen? Bei den Gesprächen mit Bankern, Medizinern, Technikern, … kommt unweigerlich das Thema Menschlichkeit auf Tapet. Auch der Kunde, der sich für Geldangelegenheiten und technische Produkte interessiert, möchte als Mensch wahrgenommen werden und nicht als wandelnder Euroschein. Demnächst werde ich einen Vortrag für eine sehr erfolgreiche Optikerkette halten. Beim Briefinggespräch wurde schnell klar, dass ich den Fokus meiner Ausführungen auf die zwischenmenschlichen Aspekte im der Führung, dem Verkauf, der Beratung und beim Umgang mit Beschwerden lenken soll.

Ja, Menschlichkeit in der Dienstleistung betrifft alle Bereiche unserer Arbeit. Führung genauso, wie dem Verkauf. In herkömmlichen Seminaren erfahren wir lediglich Techniken. Mit welchen Tricks und Kniffen, können wir Kunden zum Kauf bewegen? Mit welchen Motivationsstrategien können wir Mitarbeiter zu besseren Leistungen führen? Welche Maßnahmen machen aus einem unzufriedenen Gast vielleicht sogar einen Stammgast?

All dies führt aber am zentralen Momentum vorbei: Wir haben es mit Menschen zu tun. Lebewesen, die ganz genau spüren, ob wir es aufrichtig mit ihnen meinen, oder lediglich an ihrem Geld oder ihrer Arbeitskraft interessiert sind. Denken Sie an den Satz aus einem früheren Branchenblick: Erst die Menschen dann die Dinge. Erst wenn wir die Menschlichkeit an die oberste Stelle setzen, sind wir imstande wirklich gute Dienstleistung zu erbringen. Dienstleistung, die als wahrhaftig wahrgenommen wird. Ein aufgesetztes Grinsen und gespielte Freundlichkeit sind mentale Körperverletzungen am Gast und nicht als Dienstleistung zu bezeichnen.

Kurt Steindl


2. Wissen: Menschlicher Umgang mit Unzufriedenheit

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Vielleicht kennen Sie die Paretoprinzip? Es zeigt den Zusammenhang zwischen 80% und 20% auf. Beispiele: 80% der Anrufe führt man mit 20 % seiner gespeicherten Kontakte. Mit 20% seiner Kunden machen wir 80% unseres Umsatzes.

Ich halte dieses Paretoprinzip auch für den Umgang mit Beschwerden für sinnvoll. Ich höre ich immer wieder, dass Mitarbeiter im Beschwerdefall wissen möchten, was den Gast genau gestört hat. Warum ihm das Essen nicht mundet, oder warum genau er im Hotel schlecht geschlafen hat? Ich habe den Verdacht, dass wir hier das Paretoprinzip falsch anwenden. Wir kümmern uns im Beschwerdefall zum überwiegenden Teil (80%) um die Sache. Also um den Beschwerdegrund. Ich unterstelle, dass wir uns dabei nur etwa zu 20% um die Person kümmern. Die Aufmerksamkeit liegt meist auf der sachlichen Ebene. So haben wir das auch gelehrt bekommen: „Bleibe im Beschwerdefall immer sachlich und korrekt“, so habe ich meinen Servierlehrer noch deutlich in Erinnerung.

Ich behaupte, dass dies zu falschem Verhalten im Falle einer Unzufriedenheit führt. Dazu möchte ich Ihnen ein konkretes Beispiel liefern.

Eine Rezeptionistin in einem bekannten österreichischen Wintersportort erzählte mir, dass eines Tages ein Gast zu ihr kam mit der Beschwerde: „Ich bin jetzt schon drei Tage hier – und es regnet seit drei Tagen. Ich bin sehr enttäuscht!“

Na, wie würde Sie reagieren? Besagte Mitarbeiterin dachte damals, das kann ja nur ein Scherz sein, dass sich der Gast bei ihr über das Wetter beschwert und versuchte mit einer lustigen Bemerkung die Situation aufzulösen. „Ach wissen Sie wir haben Petrus schon ein Mail geschickt, damit der Regen aufhört.“ Zu Ihrer Verwunderung hat der Gast darauf gereizt und böse reagiert: „Verar… .kann ich mich auch selber. Da brauch ich Sie nicht dazu!“, sagte er und stapfte wütend davon. Eine verwunderte Rezeption blieb mit einem Fragezeichen im Kopf zurück.

Als sie mir dieses Erlebnis schilderte, konnte sie nicht umhin, den Gast als dumm darzustellen. „Der glaubt wohl wirklich, dass ich das Wetter ändern kann!“, ereiferte sie sich. So einfach ist das aber leider nicht. Den Fehler, den das liebe Mädel gemacht hat, ist, dass sie sich auf die Sache konzentriert hat.  Dabei geht es im konkreten Fall nicht um den Regen, sondern um die Enttäuschung des Gastes. Also seine persönliche Befindlichkeit. Und jetzt wende ich das Paretoprinzip als Orientierungshilfe an: Zu 20% sollten wir uns um die Sache kümmern (im vorliegenden Extremfall können wir die Sache sogar vollkommen vernachlässigen) und zu 80% um die persönliche Befindlichkeit des Gastes. In der Realität machen wir es leider meist umgekehrt. Der Sache widmen wir die Aufmerksamkeit und stellen dann dem Gast meist sogar noch unangenehme Fragen. „Was genau hat Ihnen am Hauptgang nicht geschmeckt?“ „Warum haben Sie auf dieser Matratze schlecht geschlafen?“.

Im konkreten Beispiel wäre es schön gewesen, wenn die Rezeptionistin Verständnis für die bedauerliche Situation des Gastes gezeigt hätte. „Das tut mir leid. Das verstehe ich gut. Womit könnte ich Ihnen denn
eine Freude bereiten? Wollen Sie vielleicht ….“ Das hätte diesen Gast vermutlich positiv überrascht und die Situation bereinigt. Das Hauptaugenmerk wäre dann auf der persönlichen Befindlichkeit des Gastes gelegen.

Der Hauptgrund warum uns die wenigsten Gäste ihre Unzufriedenheit kundtun, ist, dass sie Angst vor den Konsequenzen haben. Vor peinlichen, unangenehmen Nachfragen zum Beispiel. „Aber ich muss doch wissen, was es genau ist, was nicht in Ordnung war!“, höre ich immer wieder. Ich halte dagegen: wozu? Damit wir vielleicht dem Küchenchef einen genauen Grund sagen können? Ich werde jetzt ein klein wenig provokant: Haben Sie schon einmal überlegt, wer Ihr Gehalt bezahlt? Ist es der Koch oder der Gast?

Natürlich sind es die Gäste. Also sollten wir dem Wohlbehagen des Gastes eine höhere Priorität einräumen als dem Informationsbedürfnis der Küche. Gutes Beschwerdemanagement bringt den Gast nicht in eine unangenehme Situation. Im Gegenteil. Wir erleichtern seine Situation, indem wir die Sache diskret und unaufgeregt handhaben. Wenn wir es besonders gut machen wollen, dann verbreiten wir eine Atmosphäre, in der der Gast spürt, dass Anregungen und auch Beschwerden gerne gesehen sind.

Im Idealfall gehen wir aktiv auf die Suche nach möglichen Unzufriedenheiten. Gäste zeigen doch an ihrem Verhalten, dass etwas nicht in Ordnung ist. Da jetzt penetrant einzuwirken ist falsch. Eleganter Umgang mit Unzufriedenheit bedeutet, dem Gast unangenehme Situationen zu ersparen. Vielleicht nehmen Sie eine Kostprobe vom hausgemachten Apfelstrudel und überraschen den Gast mit den Worten: „Ich möchte Sie heute gerne auf eine süße Versuchung aus unserer Küche einladen. Darf ich Ihnen diesen Apfelstrudel servieren?“ Ohne Hinweis auf eine eventuelle Unzufriedenheit. Sollte der Gast nachfragen, wie es zu dieser Ehre kommt, dann sagen Sie einfach: „Ich möchte Ihnen gerne eine Freude machen!“. Erwähnen Sie jetzt bloß nicht, dass Sie erkannt haben, dass er unzufrieden ist. Kein Gast will überführt werden.

Hatten Sie Recht mit Ihrer Vermutung wird es Ihnen der Gast hoch anrechnen, dass Sie eine Wiedergutmachung leisten, ohne ihn in ein peinliches Beschwerdegespräch zu verwickeln. Haben Sie sich getäuscht und der Gast ist überhaupt nicht unzufrieden, dann nennen wir es Stammkundenbindung. Kleine Geschenke erhalten ja bekanntlich die Freundschaft. Das ist Menschlichkeit wenn es um Unzufriedenheit geht. Zuerst die Menschen dann die Dinge.

Kurt Steindl

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3. Schriftverkehr:  Emotionen, Emotionen, Emotionen

Erst vor Kurzem habe ich wieder ein paar Angebote von Hotels genauer überprüft. Dabei ist mir aufgefallen, dass im Schriftverkehr die Emotionalität meist zu kurz kommt.

Der Gast meldet sich bei uns, weil er ein Zimmer möchte. Ein paar Tage Schifahren, auspannen, das Leben genießen. In den allermeisten Fällen ist der Gast dabei in einer positiven Grundstimmung, vielleicht sogar voller Vorfreude auf den bevorstehenden Aufenthalt. Aufgabe eines Hotels ist es diese Vorfreude, die positive Haltung aufrecht zu halten und vielleicht sogar noch zu steigern.

Was passiert aber statt dessen? Dem Gast wird mitunter sogar die Buchung erschwert. Nicht selten erhalten unsere Tester unangemessene Antworten, wenn sie eine allgemeine Anfrage schreiben. ( … möchten im Jänner gerne ein paar Tage zu Ihnen kommen …) Statt sofort Buchungslöcher zu füllen, schreiben uns Hotels – in beinahe bösartigen Unterton – zurück: „Bitte geben Sie uns Ihre genauen Reisedaten bekannt, damit wir Ihnen ein konkretes Angebot erstellen können.“ Da denkt doch jemand nicht mit! Für mich hat das den Anschein, dass da falsches Denken vorherrscht. (Gast droht mit Umsatz. Jetzt machen wir es ihm so schwer wie möglich, dass er diesen Umsatz möglichst nicht bei uns macht!)

Wenn man an der Rezeption jedoch die Intelligenz besitzt und dem Gast ein konkretes Angebot macht, passiert das leider viel zu oft ohne die erforderlichen positiven Emotionen. Da werden Zimmer lediglich mit Quadratmeterangabe und Preis offeriert. Ohne beim Gast auch nur das kleinste Bild über die Einrichtung und Ausstattung zu wecken. Schon einen Schritt weiter gehen Hotels, die dann anführen, was alles im Zimmer vorhanden ist. Da werden dann so Selbstverständlichkeiten wie Fön oder WC angeführt. (Also bei aller Liebe. Das Wort WC gehört nun wirklich nicht in eine Zimmerbeschreibung. Und der Fön löst auch auch keine Beifallsstürme aus.) Manchmal lese ich sogar, dass im Zimmer ein Telefon installiert sein. Ist ja nciht zu glauben. Tatsächlich ein Telefon! Im Zimmer! Für mich! Hallo??? Geht’s noch??? Welcher Gast braucht heutzutage noch ein Telefon? Ja, gut fürs Zimmerservice vielleicht. Aber das ist doch kein Grund, es im Angebot anzuführen.

Generell sind die Angebote der meisten Hotels (besonders der Stadthotels) an Nüchternheit kaum zu überbieten. Vielleicht sollen wir auch hier mehr an die Erwartungen und Bedürfnisse des Gastes denken., Wir sind alle menschliche Wesen und dürsten nach Emotionalität. Ja, auch der Businessgast. Vor einigen Wochen hatte ich Gelegenheit mit dem Direktor eines Business- und Seminarhotels zu sprechen. Er hat mir klar erklärt, dass die Zeiten der Abfertigung von namenlosen Gästen für ihn vorbei sei. Seine Gäste suchen auch in den kurze Momenten der Begegnung mit den Mitarbeitern nach Zuwendung und individueller Betreuung.

Diese Zuwendung sollte schon im Angebot erkennbar sein. Anstatt ausführlicher – und zumindest zusätzlich zu den umfangreichen – Stornobedingungen muss auch die Beschreibung des Zimmers und der Hoteleinrichtungen angenehme Bilder auslösen.

„Es erwartet Sie ein geräumiges Doppelzimmer im modernen Tiroler Landhausstil. Mit viel hellem Holz. Eine gemütliche Couch. Viel Tageslicht – auch im Badezimmer – und ein eigener Kachelofen.“, klingt doch freundlicher als das übliche „Standard-Doppelzimmer mit 25m² zum Preis von …“

Kurt Steindl

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4. Story: Als Frau erfolgreich (nicht) Karriere machen

lady-in-redDiese Zeilen sind kein Ratgeber á la „In fünf Schritten zum Erfolg“. Zu unterschiedlich sind die Menschen, ihre Schicksale und vor allem ihre Geisteshaltung, als derartige „Ich-weiß-wie-du-dein-Leben-gestalten-sollst-Bücher“ in ihrer Begrenztheit zu erfassen vermögen.

 

Ich möchte Ihnen, verehrte Leserin vielmehr ein paar Gedanken näherbringen, wie ein Mann den Karriereweg einer Frau sieht. Allerdings nicht in Form einer Aneinanderreihung von nützliches To-Do´s. Wesentlich nützlicher für Sie scheint mir, dieses Thema VERKEHRT HERUM aufzuziehen. Anregungen anzuführen, wie Sie Ihre Karriere wesentlich behindern können. Mit welchen Aktivitäten Sie sich selbst in ein schlechtes Licht rücken und so Ihr berufliches Fortkommen erschweren.

Fangen wir also an, Ihre Karriere den Bach runter gehen zu lassen. Was sollten Sie tun, um den beruflichen Aufstieg mit Sicherheit an die Wand zu fahren. Bereit? Na dann los.

 

 


 

Wenn schon bräunen, dann aber richtig!

Ein schöner Teint ist genauso wichtig wie die richtigen Proportionen. Bräunungsstudios haben mittlerweile Filialen an allen Ecken und Enden des Landes. Kaufen Sie sich aber bloß keinen mickrigen Zehnerblock, sondern greifen Sie gleich in die Vollen und erstehen Sie eine Jahreskarte mit unbegrenztem Zugang. Dann können Sie, sooft Sie es für notwendig erachten, ausgiebig Sonnenbräune tanken. Seien Sie konsequent, damit Sie auch schön Farbe bekommen. Drei- bis viermal pro Woche ist das Minimum, um eine knackige Bräune zu erzielen. Wenn Sie dies mindestens zwei Jahre durchhalten, verändert das die Hautstruktur und Sie sehen im Gesicht schön gegerbt aus. Das geht dann auch nie wieder weg und das ganze Geld ist sinnvoll investiert. Die Mädels und Jungs der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lehnen zwar die Benutzung von Solarien zur kosmetischen Bräunung der Haut ausdrücklich ab, wissen aber bestimmt nichts über Eleganz und Attraktivität.

Wenn Sie eine blasse Maus sind und schon immer davon geträumt haben,innerhalb von Minuten nahtlos braun zu werden, dann entscheiden Sie sich für eine Bräunungsdusche. Dieser Hit wurde aus Amerika importiert und ist garantiert unschädlich für die Haut. Zwar ist der afrikanische Teint nach ein paar Duschen wieder weg, aber in der Kaffeepause beim Smalltalk mit dem Abteilungsleiter, leuchten Ihre Augen noch weißer, im starken Kontrast zum satten Gesichtsfarbe. Wenn Ihnen das zu aufwendig ist, dann einfach ausreichend Selbstbräuner ins Gesicht und Dekolleté. Das sollte reichen, um den Chef beim Diktat zu verwirren.

Zahnärzte sind Spielverderber!

Die Natur ist ja meist ungerecht und verteilt ihre Gaben offenbar nach Gutdünken. Da sind die Zähne manchmal kerzengerade und in Reih und Glied wie Perlen aufgereiht, dann wieder wild durcheinander und in eher gelblichen Farbtönen. Aber der Mensch ist erfindungsreich genug und so kann man als Frau auch hier gut nachhelfen. Lassen Sie sich einfach die Zähne bleichen. Je weißer sie strahlen, desto besser. Ja, ich weiß, dass die Zahnärzte davon abraten. Aber was verstehen die schon von Karriere?

Sollten Sie das Glück haben, dass Ihnen ein Zahn im vorderen Bereich verlustig gegangen ist, dann sind Sie auf dem besten Weg ein Original zu werden. Eine sensationelle Type, die es versteht, das Gegenüber zu lenken. Achten Sie mal darauf, wie Sie unweigerlich die Blicke auf Ihre Lücke ziehen. Da schaut keiner weg. Ein oberer Schneidezahn fällt erst so richtig auf, wenn er abwesend ist. Aber auch seine gelben Kumpels machen noch mächtig Eindruck, speziell wenn Sie lachen. Raucher sind da wesentlich im Vorteil. Wenn die Glück haben, wird aus dem satten Gelb mit der Zeit ein kräftiges Braun. Das korrespondiert dann prima mit dem Sonnenstudio-Teint.


 

Dieser Beitrag stammt aus dem Buch „Chefsache Frauen. Männer machen Frauen erfolgreich.“, für das Kurt Steindl als Gastautor tätig war. Sein Beitrag trägt den Titel „Die Röcke kurz, die Lippen rot“. Er nimmt darin den beruflichen Aufstieg aufs Korn und zeigt wie es nicht geht, die Karriereleiter empor zu klettern.

>>> Hier geht´s zu den Details


Machen Sie´s gut, Ihr

Kurt Steindl – „Der Serviceflüsterer“

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